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VON DER MOSEL ANS MEER

Dr. Wido Parczyk   |   Brauselaystrasse 16   |   56812 Cochem                                Impressum       Design: Webdesign Crossmedia

Ärzte-Zeitung, Nr, 223 / Montag, 7.12.1998, Seite 18:

EIN HNO-ARZT SEGELT DEN GANZEN SOMMER ÜBER DURCH DIE SCHWEDISCHE SCHÄRENWELT

"Wir liegen in einer Bucht hinter einer Schäre in Westschweden vor Anker. Der Wind jault im Rigg, und wir wärmen uns nach einem ausgedehnten Bad wieder auf. Das frisch gebackene Brot riecht verflixt gut. Vorhin sind wir an Land gerudert und haben uns in ein Blaubeerfeld gesetzt. Bis jetzt haben wir die schwedische Ostküste besegelt und haben Mittsommer in Vitsby auf Gotland gefeiert. Jetzt geht´s in Westschweden von einem Ankerplatz zum nächsten oder auch in einen Hafen, wenn Milch oder Obst alle ist. Wir sind glücklich dabei."

Die schwärmerischen Aufzeichnungen hat Dr. Wido Parczyk in sein Logbuch geschrieben, auf einer seiner Segelfahrten durch den schwedischen Schärengarten. Seit vier Jahren ist der HNO-Arzt aus Cochem an der Mosel mit seiner Frau Beate jedes Jahr von Mitte Mai bis Mitte September auf seiner "Rasmus" in den Schären unterwegs. Hier verwirklicht er das, wovon andere höchstens zu träumen wagen: Aussteigen.


Geträumt hatte Parczyk vom Ausstieg eigentlich nicht. Der war weder von langer Hand geplant, noch Resultat eines spontanen Überdrusses. Von der Entdeckung der Liebe zum Segeln bis zum Entschluß, die Praxis zu verkaufen und in den Sommermonaten als Segler zu leben, war es ein langer und auch leidvoller Weg.

Angefangen hat alles damit, daß Parczyk zu Beginn der achtziger Jahre ein neues Hobby suchte. Eigentlich war er - und das ist er auch noch heute - passionierter Porsche-Fan. Er hat alte Modelle aufgearbeitet und ist mit ihnen erfolgreich Rennen gefahren. "Bis die anderen genau so schnell waren wie ich und es an der Spitze ungemütlich wurde", sagt er. Also hörte er - auch seiner Frau zuliebe - mit dem Rennsport auf und entschied sich, Segler zu werden. Wie bestellt, lag in Cochem gerade ein Boot vor Anker, in das sich Parczyk "auf Anhieb verliebte". Er nahm Kontakt mit den Eignern auf. Die wollten eigentlich ins Mittelmeer, hatten sich aber in Cochem schon so zerstritten, daß Parczyk das Boot kaufen konnte. Die "rasmus" gehörte ihm. Einen Segelschein hatte Parczyk schon einige JAhre zuvor gemacht. der Rest war "learning by doing". Erst auf der Mosel, dann auf den Flüssen hinauf bis Kiel und schließlich auf der offenen See.


Zu dieser Zeit hatte Parczyk noch seine Praxis in Cochem. "Eine harte, aber schöne Zeit", sagt er. Er hatte sich damals auf ambulantes Operieren spezialisiert, "weil wir überzeugt waren, daß das für eine bessere Versorgung der Patienten nötig war". Die Praxis lief gut. "Ich operierte, meine Frau, machte die Narkosen in der Praxis und kümmerte sich um die Vor- und Nachsorge operierter Patienten". Zeit zum Segeln blieb in den Ferien.


Die Wende kam, nachdem es bei Parczyk infolge einer Hepatitis-B-Infektion zu schweren Komplikationen kam. Er bekam Ösophagusblutungen und fiel im Herbst 1987 ins Leberkoma. Nur eine Lebertransplantation konnte sein Leben retten. Dann ging alles sehr schnell. Parczyk bekam in Hannover eine neue Leber. "Das waren mindestens drei Sechser im Lotto", sagt er heute locker. Doch damals hätte ihn sein Lebenswille fast verlassen. "Ich weiß nicht, ob ich die Operation überlebt hätte, wenn mich meine Frau nicht präoperativ so motiviert hätte, daß ich die Genesung um jeden Preis wollte." Ihr Beistand half ihm auch, das postoperative Durchgangssyndrom zu überstehen, das ihm schwere Alpträume bereitete und ihn in tiefe Depressionen stürzte. Nach fünf Wochen war das Durchgangssyndrom überstanden. Noch zwei Monate später konnte er wieder seine Praxis führen.

Die Krankheit, so sieht Parczyk es heute, war eigentlich ein Geschenk. Sie habe ihn bereit gemacht für ein intensiviertes Leben. Intensiviert hat er zunächst einmal seine Arbeit. "Die Transplantation gab mir soviel Energie, daß sich meine Praxis um das Doppelte vergrößerte."

Doch dann kamen die Schwierigkeiten. Nicht wegen der neuen Leber, sondern mit der KV und den Kassen. Das ambulante Operieren riß immer tiefere Löcher in Parczyks Etat. Als es mit der KV und den Kassen zu keiner befriedigenden Regelung über die Honorierung kam, entschloß sich Parczyk 1995, die Praxis zu verkaufen.

"Bittere Tränen und schlaflose Nächte hat das gekostet. Nach dem Verkauf hatte ich das Gefühl, mein Lebenswerk aufgegeben zu haben. Ich hatte Angst vor der Namenlosigkeit in der Menge." Das Leben ohne die eigne Praxis, ohne die Geschäftigkeit und die gewohnte Anerkennung fiel Parczyk ungeheuer schwer. Aufs Boot und ab nach Schweden - das war wie eine kleine Flucht. "Erst beim Leben auf dem Schiff habe ich gemerkt, wie uns die Praxis aufgefressen hat und wir zu den eigentlich wichtigen Dingen keine Zeit und vor allem keine Ruhe mehr hatten."

Heute genießt er es, sein Boot in Schuß zu halten, möglichst alle Reparaturen selber zu erledigen, antiquarisch aufgestöberte Bücher zu lesen und sich Zeit für alte und neue Freunde zu nehmen. Und besonders stolz ist er auf sein Buch über das Segeln in den Schären, mit dem er Segelfreunden den Weg zu den Ankerplätzen dieses schwierigen Segelreviers weist.


In den Monaten, in denen Parczyk nicht zur See fährt, arbeitet er als Vertreter in verschiedenen HNO-Praxen. "Ich werde bei den Vertretungen meiner Leistung entsprechend bezahlt. Ich habe Spaß an der Arbeit, und dieser Spaß, so glaube ich, überträgt sich auch auf die Patienten", sagt er. So gesehen ist sein Leben nicht nur zu Segelzeiten intensiver geworden. "Ich mache jetzt auch als Arzt das, was ich eigentlich immer machen wollte. Medizin pur, ohne auf das Geld zu achten."


von Ursula Hosselmann

ALLGEMEINES

PRESSE

Ärzte-Zeitung, Nr, 223 / Montag, 7.12.1998, Seite 18:

WEGWEISER ZU DEN SCHÖNSTEN ANKERPLÄTZEN IM SCHÄRENGARTEN

Das Segelrevier in den schwedischen Schären gilt als eines der schönsten und schwierigsten Segelgebiete Europas. Der felsige Untergrund, die schmalen Wasserstraßen zwischen den Inseln und die Wasserströmungen der Ostsee lassen das Segeln - und vor allem das Ankern - zu einer echten Bewährungsprobe werden.


Ein Kenner dieses Reviers ist der Cochemer HNO-Arzt Wido Parczyk. Über viele Jahre schon ist er in den Sommermonaten Schärensegler. Zwar hat er auch Segelerfahrung in anderen Revieren, er war im Mittelmeer, vor der englischen Küste, und er hat den Atlantik überquert, doch so schön wie in Schweden ist es für ihn nirgends gewesen.

Bei soviel Liebe ist es kein Wunder, daß er sich nicht damit begnügt, auf eingefahrenen Routen die schwedische Schärenwelt zu ersegeln. Was ihn reizt, sind die schwierig zu erreichenden Ankerplätze in entlegenen Buchten. "Wenn man in den Schären unterwegs ist, sieht man plötzlich hinter einer der Inseln einen Schiffsmasten, und man fragt sich, wie das Schiff dahin gekommen ist."

Um das herauszubekommen, hat Parczyk die Buchten selbst vermessen, Wassertiefen ausgelotet, Ansteuerungen beschrieben und Skizzen gezeichnet.


Jetzt hat er, gemeinsam mit seiner Frau Beate, die auf allen Segeltörns mit dabei ist, das gesammelte Know-How veröffentlicht. Und das 230 Seiten starke Buch "Ankerbuchten in den ostschwedischen Schären" hat das Zeug dazu, ein Standardwerk für Schärensegler zu werden.

Wo die offiziellen Seekarten auf hören, fängt der Segelführer von Beate und Wido Parczyk an. Wo sind die geschütztesten Ankerplätze? Wo ist die beste Einfahrtsrinne? Wo gibt es Untiefen? All das ist in den von Wido Parczyk handgemalten Karten verzeichnet. Fast neunzig Ankerplätze im schwedischen Schärengarten sind so beschrieben. Und zu jedem Ankerplatz wird eine kleine Geschichte erzählt, in der die Parczyks von eigenen Erlebnissen während ihrer Segeltörns erzählen und Tips für den Landgang geben. Das mit vielen Farbbildern von Land und Leuten ausgestattete Buch ist deshalb nicht nur ein Seglerbuch, sondern auch ein wunderschöner Reiseführer zu den Schäreninseln. Daß der Wegweiser zu den einsamen Ankerplätzen zur Folge haben könnte, daß diese künftig so einsam nicht mehr sind, sieht Wido Parczyk gelassen. Ein paar mehr Segler könnten die Schären schon verkraften, ohne an Reiz zu verlieren, meint er. Und schließlich hält er es ganz mit einem alten schwedischen Seglerspruch:

"Wer hierher findet, der gehört auch hierher."

(hos)