In
den schwedischen Schären Segeln: Da geraten viele
ins Träumen. Am Fels festmachen, Blaubeeren essen,
Einsamkeit genießen... Doch die Gebiete sind
navigatorisch nicht ohne Tücke - ein Stein hier, ein
Stein da, der Experimentierfreude des Revierfremden
sind Grenzen gesetzt. Zudem gestaltet sich die
Einsamkeit mit der Natur nicht immer nach Plan, wenn
nämlich zahlreiche Urlaubssegler die gleiche Idee
haben.
Doch die schwedische
Küste bietet ja unzählige Möglichkeiten. Dr. Wido
und Beate Parczyk haben 13 Jahre lang mit ihrer
"Rasmus von Cochem" die Küste von Utklippan bis
Stockholm und den Malären besegelt. Sie benutzten
die schwedischen Veröffentlichungen über diese
Gebiet, folgten Tips der einheimischen Segler und
machten sich schließ-
Kupa Klint im
Sonnenuntergang. Auf der Felskuppe brannten früher
die
lich, mutig geworden, auch
Wikinger Warnfeuer ab.
auf eigene Faust auf in unbekannte Buchten. Sein
Wissen über diesen ostschwedischen Küstenabschnitt
hat das Paar jetzt in einem Buch zusammengetragen,
das es in dieser Ausführlichkeit selbst in Schweden
noch nicht gibt. Auf 300 Seiten beschreiben die
Autoren 106 Plätze mit Kartenausschnitten, Skizzen
und Fotos, und die Steine, die ihnen dabei im Weg
lagen, sind wörtlich zu nehmen...
"Wir sind schon an anderen Küsten gesegelt - über
den großen Teich in die Karibik oder auch entlang
der englischen Küste - aber egal wo wir waren, immer
haben wir uns hierher zurückgesehnt. Und so segeln
wir jetzt schon viele JAhre zu zweit um und in
Schweden und haben anfangs mit sehnsüchtigen Blicken
die Masten hinter den Schären gesehen, ohne zu
wissen, wie wir da wohl hinkämen. In diesen Jahren
haben wir es immer wieder probiert, sind immer
wieder auf Steine aufgelaufen, und es vergeht auch
jetzt noch fast kein Jahr, ohne daß wir unseren Kiel
etwas beschädigen.
Das passiert aber beileibe nicht nur uns. Als ich
wegen des Copyrights über die schwedische Botschaft
einen Kontakt zum Sjöfartsverket suchte, erzählte
mir der Botschafter vom Segeln in den Schären. - Bis
er auf den Punkt kam: Wer hier segelt und wirklich
Mit der
handgezeichneten Karte der Parczyks findet man auch
den den
Eingang zu den kleinen
Weg nach Kupa Klint.
Buchten sucht, läuft zwangsläufig
irgendwann einmal auf Grund.
- Auch er!"
Das Buch in einem
Einführungsteil über Schweden im allgemeinen -
Geologie, Geschichte, Kultur - und das Segeln in den
Schären im Besonderen.
"Das Segeln in den Schären selbst kann recht
anstrengend sein, weil dauernde Aufmerksamkeit
gefordert ist. Denn die Schären sind oft schlecht
voneinander zu unterscheiden, und welcher Stein
welchem Punkt in der Karte zugeordnet werden muß,
kann man nur sagen, wenn man immer ganz genau weiß,
wo man ist. Bei uns an Bord hat meine Frau Beate
entweder den Finger auf dem jeweiligen Standort
liegen, oder die Tonnen, Inseln oder
Die Steine (.)
am Eingang zu Längviken. Nicht alle sind so gut
Steine am Weg werden abgehakt.
zu sehen.
Obwohl die Bucht nicht weit weg liegt vom Pricken-
Keinesfalls sollte man die Position des
weg, ist sie
nicht sehr häufig besucht. ein Trampelpfad am Ost-
GPS überbewerten! Die dürfte oft zu
ufer
führt zu Blaubeerfeldern und weiter ins Land.
ungenau sein."
Tips zur Anreise,
Windstatistiken und Strömungskarten helfen dem Leser
bei der Törnplanung. ein Kapitel ist speziell dem
Ankern in den Schären gewidmet. Dabei ist natürlich
die von den Schweden bevorzugte Methode des
Am-Fels-Liegens besonders interessant: "Wenn wir mit
dem Bug an den Fels gehen wollen, machen wir in
unbekannten Ankerbuchten immer erst einmal einen
Probeanlauf, wobei einer am Bug steht und nach
Steinen Ausschau hält. Ist alles klar, so lasse
Harstena: Hier
herrscht noch Harmonie zwischen Natur und
ich unseren Heckanker (ein kleiner
Mensch.
Der Weg zur Bäckerei ist nicht zu verfehlen. In der
Bügelanker von 15 kg), der schon frei
Lagune von
Harstena am Fels liegt man gut bei jedem Wind.
zum Fallen in seiner Halterung hängt
Gegen 23 Uhr
werden die Schatten länger...
(Plastikrolle und Haken), etwa zwei Schiffslängen
vor dem Ufer fallen. Da er mit 5 Metern
Kettenvorlauf an einem 50 Meter langen aufgerollten
Gurtband hängt, kümmert er mich vom Augenblick des
Fallens an nicht mehr, bis wir vorn am Fels
einigermaßen klar sind. Erst dann hole ich die
Ankerleine dicht.
Wir haben je zwei gerade und abgewinkelte Felsnägel
dabei, die je nach Verlauf der Felsspalte ausgewählt
werden, damit der Zug entweder rechtwinklig zur
Felsspalte weggeht oder über den Hebel den Haken in
der Spalte verankert. Manchmal ist auch ein Baum in
der Nähe, der zum Anbinden herhalten muß."
Im Pilotteil folgt man dem Autorenpaar durch die
Anlerbuchten von Süd nach Nord. Auch 14 Häfen sind
darunter, ausgesucht wegen ihrer besonderen
Sehenswürdigkeit und ihres Charmes.

Stockholmer
Schärengarten: Ein typisches Sommerhaus der
Jahrhunderwende
Die
Ankerplätze sind fast alle mit dem Beiboot
abgerudert und ausgelotet worden. Deshalb gibt es
zusätzlich zu den oft nicht ausreichend
detaillierten Seekartenausschnitten selbstgefertigte
Zeichnungen mit allen wichtigen Informationen. Die
persönlichen Schilderungen der jeweiligen Plätze
inklusive einiger Anekdoten machen diesen Teil nicht
nur informativ, sondern auch gut lesbar. Die Fotos
stimmen den Leser dabei schon mal ein auf dieses
einmalig schöne Revier.
Das Buch ist im Eigenverlag erschienen - deshalb
finden sich darin diverse Anzeigen, die die
Finanzierung möglich machten. Sie stören jedoch
nicht, sondern sind so geschickt integriert,
Kulturpricke
bei Nyköbing daß sie zum
Schmuck beitragen.
as
Eine solch komfortable Liege-
möglichkeit nenn die Schweden
Garage: Der Einschnitt der
Schäre Örnklubbarna. Wer
hier liegt, bleibt für sich. |