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LUV, März/April ´98, Nr. 2, Seite 38ff:
Der Weg zu den Blaubeeren

Wo sich früher die Wikinger verschanzten, suchen sich heute seefahrende Urlauber einsame Plätzchen. Auch die Parczyks waren dort jahrelang unterwegs. Ihr Buch hilft nun Neulingen bei der Erforschung der ostschwedischen Schären.

In den schwedischen Schären Segeln: Da geraten viele ins Träumen. Am Fels festmachen, Blaubeeren essen, Einsamkeit genießen... Doch die Gebiete sind navigatorisch nicht ohne Tücke - ein Stein hier, ein Stein da, der Experimentierfreude des Revierfremden sind Grenzen gesetzt. Zudem gestaltet sich die Einsamkeit mit der Natur nicht immer nach Plan, wenn nämlich zahlreiche Urlaubssegler die gleiche Idee haben.

Doch die schwedische Küste bietet ja unzählige Möglichkeiten. Dr. Wido und Beate Parczyk haben 13 Jahre lang mit ihrer "Rasmus von Cochem" die Küste von Utklippan bis Stockholm und den Malären besegelt. Sie benutzten die schwedischen Veröffentlichungen über diese Gebiet, folgten Tips der einheimischen Segler und machten sich schließ-       Kupa Klint im Sonnenuntergang. Auf der Felskuppe brannten früher die
lich, mutig geworden, auch    Wikinger Warnfeuer ab.
auf eigene Faust auf in unbekannte Buchten. Sein Wissen über diesen ostschwedischen Küstenabschnitt hat das Paar jetzt in einem Buch zusammengetragen, das es in dieser Ausführlichkeit selbst in Schweden noch nicht gibt. Auf 300 Seiten beschreiben die Autoren 106 Plätze mit Kartenausschnitten, Skizzen und Fotos, und die Steine, die ihnen dabei im Weg lagen, sind wörtlich zu nehmen...
"Wir sind schon an anderen Küsten gesegelt - über den großen Teich in die Karibik oder auch entlang der englischen Küste - aber egal wo wir waren, immer haben wir uns hierher zurückgesehnt. Und so segeln wir jetzt schon viele JAhre zu zweit um und in Schweden und haben anfangs mit sehnsüchtigen Blicken die Masten hinter den Schären gesehen, ohne zu wissen, wie wir da wohl hinkämen. In diesen Jahren haben wir es immer wieder probiert, sind immer wieder auf Steine aufgelaufen, und es vergeht auch jetzt noch fast kein Jahr, ohne daß wir unseren Kiel etwas beschädigen.
Das passiert aber beileibe nicht nur uns. Als ich wegen des Copyrights über die schwedische Botschaft einen Kontakt zum Sjöfartsverket suchte, erzählte mir der Botschafter vom Segeln in den Schären. - Bis er auf den Punkt kam: Wer hier segelt und wirklich
Mit der handgezeichneten Karte der Parczyks findet man auch den        den Eingang zu den kleinen
Weg nach Kupa Klint.    
                                                               Buchten sucht, läuft zwangsläufig
                                                                                                 irgendwann einmal auf Grund.
                                                                                                 - Auch er!"

Das Buch in einem Einführungsteil über Schweden im allgemeinen - Geologie, Geschichte, Kultur - und das Segeln in den Schären im Besonderen.
"Das Segeln in den Schären selbst kann recht anstrengend sein, weil dauernde Aufmerksamkeit gefordert ist. Denn die Schären sind oft schlecht voneinander zu unterscheiden, und welcher Stein welchem Punkt in der Karte zugeordnet werden muß, kann man nur sagen, wenn man immer ganz genau weiß, wo man ist. Bei uns an Bord hat meine Frau Beate entweder den Finger auf dem jeweiligen Standort liegen, oder die Tonnen, Inseln oder                                                        Die Steine (.) am Eingang zu Längviken. Nicht alle sind so gut
Steine am Weg werden abgehakt.         zu sehen. Obwohl die Bucht nicht weit weg liegt vom Pricken-
Keinesfalls sollte man die Position des   weg, ist sie nicht sehr häufig besucht. ein Trampelpfad am Ost-
GPS überbewerten! Die dürfte oft zu     ufer führt zu Blaubeerfeldern und weiter ins Land.
ungenau sein."

Tips zur Anreise, Windstatistiken und Strömungskarten helfen dem Leser bei der Törnplanung. ein Kapitel ist speziell dem Ankern in den Schären gewidmet. Dabei ist natürlich die von den Schweden bevorzugte Methode des Am-Fels-Liegens besonders interessant: "Wenn wir mit dem Bug an den Fels gehen wollen, machen wir in unbekannten Ankerbuchten immer erst einmal einen Probeanlauf, wobei einer am Bug steht und nach Steinen Ausschau hält. Ist alles klar, so lasse       Harstena: Hier herrscht noch Harmonie zwischen Natur und
ich unseren Heckanker (ein kleiner         Mensch.      Der Weg zur Bäckerei ist nicht zu verfehlen. In der
Bügelanker von 15 kg), der schon frei    Lagune von Harstena am Fels liegt man gut bei jedem Wind.
zum Fallen in seiner Halterung hängt       Gegen 23 Uhr werden die Schatten länger...
(Plastikrolle und Haken), etwa zwei Schiffslängen vor dem Ufer fallen. Da er mit 5 Metern Kettenvorlauf an einem 50 Meter langen aufgerollten Gurtband hängt, kümmert er mich vom Augenblick des Fallens an nicht mehr, bis wir vorn am Fels einigermaßen klar sind. Erst dann hole ich die Ankerleine dicht.
Wir haben je zwei gerade und abgewinkelte Felsnägel dabei, die je nach Verlauf der Felsspalte ausgewählt werden, damit der Zug entweder rechtwinklig zur Felsspalte weggeht oder über den Hebel den Haken in der Spalte verankert. Manchmal ist auch ein Baum in der Nähe, der zum Anbinden herhalten muß."
Im Pilotteil folgt man dem Autorenpaar durch die Anlerbuchten von Süd nach Nord. Auch 14 Häfen sind darunter, ausgesucht wegen ihrer besonderen Sehenswürdigkeit und ihres Charmes.


Stockholmer Schärengarten: Ein typisches Sommerhaus der Jahrhunderwende

 

Die Ankerplätze sind fast alle mit dem Beiboot abgerudert und ausgelotet worden. Deshalb gibt es zusätzlich zu den oft nicht ausreichend detaillierten Seekartenausschnitten selbstgefertigte Zeichnungen mit allen wichtigen Informationen. Die persönlichen Schilderungen der jeweiligen Plätze inklusive einiger Anekdoten machen diesen Teil nicht nur informativ, sondern auch gut lesbar. Die Fotos stimmen den Leser dabei schon mal ein auf dieses einmalig schöne Revier.
Das Buch ist im Eigenverlag erschienen - deshalb finden sich darin diverse Anzeigen, die die Finanzierung möglich machten. Sie stören jedoch nicht, sondern sind so geschickt integriert,
Kulturpricke bei Nyköbing   daß sie zum Schmuck beitragen.
                                        as

 

                                                             Eine solch komfortable Liege-
                                                                          möglichkeit nenn die Schweden
                                                                          Garage: Der Einschnitt der
                                                                          Schäre Örnklubbarna. Wer
                                                                          hier liegt, bleibt für sich.

 

Dr. Wido & Beate Parczyk - e-mail: info@parczyk.de